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Kooperationsinfo

Ko-Info

 

Das Kooperations-Info erscheint vierteljährlich. Die Kooperationsstelle informiert darin über ihre laufenden Arbeiten. Das Info wird an Einzelpersonen und Einrichtungen im Bundesgebiet verschickt. Adressaten sind insbesondere unsere Zielgruppen: Gewerkschafter/innen, Betriebs- und Personalräte, Wissenschaftler/innen, Pressevertreter/innen und weitere Interessierte aus Beratung, Weiterbildung und Politik.

Wenn Sie in den Verteiler aufgenommen werden wollen, senden Sie uns bitte eine E-Mail mit Ihren Kontaktdaten. Alle Ausgabe stehen auch als PDF-Download zur Verfügung.

 

Archiv

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2018

Ausgabe 93 (Sommer)

Ausgabe 92 (Frühjahr)

  
2017

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Ausgabe 88 (Frühjahr)

Aktuelle Ausgabe 93, Sommer 2018


„Es ist das Prinzip der Kunst, etwas zu tun, obgleich die Umstände dagegen sind.“

(KK) Was hier im Zitat von Peter Weiss so wahr wie einfach gesagt wird, ist praktisch schwer zu machen. Wie kann Literatur in gesellschaftliche Strukturen und Prozesse eingreifen, die von zunehmender Ungleichheit, Unsicherheit und Unübersichtlichkeit gekennzeichnet sind? Wie wäre unter diesen falschen Umständen richtiges, d.h. realistisches und emanzipatorisches Schreiben möglich? Hierüber diskutierten vom 7.-9. Juni in der Dortmunder Zeche Zollern Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern und zeitweise 60 Personen im Publikum. Eingeladen hatten das Netzwerk „Richtige Literatur im Falschen“, das Fritz Hüser-Institut und seine Fördergesellschaft, das Industriemuseum Zeche Zollern und die Kooperationsstelle.

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Foto: Karl Heinz Gajewski 

Dass die moderne Gesellschaft in Klassen gespalten ist, stand für die Sozialwissenschaftler*innen außer Frage. Allerdings – so Klaus Dörre – fehle es der Klasse der abhängig Beschäftigten an Reflexion und Bewusstsein über die eigene Lage. Kritik münde oft eher in eine Abwertung anderer statt in Solidarisierung. Weil Kultur und Bildung – gab Cornelia Koppetsch zu bedenken – von Teilen der Mittelschicht zur sozialen Abgrenzung genutzt werden, müsse im wissenschaftlichen und literarischen Diskurs immer auch die eigene Rolle reflektiert werden. Monika Rinck und Raul Zelik brachten in ihren Diskussionsbeiträgen zum Ausdruck, dass dies schwierig, aber möglich ist. Letztlich – so auch Hans-Jürgen Urban – brauche kollektives Handeln einen Diskurs der Selbstverständigung. Den zu befördern, sei aus seiner Sicht als Gewerkschafter eine der wichtigsten Aufgaben zeitgenössischer Literatur.

In ihren Rückblicken auf die Literatur der „alten Klassengesellschaft“ zeigten Norbert Niemann, Enno Stahl und Stefan Schmitzer, dass es u.a. bei Heinrich Mann, Alfred Döblin, Peter Weiss und Pier Paolo Pasolini wichtige Anknüpfungspunkte für gesellschaftskritische Literatur gibt. Die heutige Literatur – argumentierte David Salomon – laufe dagegen Gefahr, sich durch Darstellung individueller Bewältigungsstrategien einzufügen in die entfremdeten Verhältnisse.

Im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen befassten sich vier Diskussionsrunden mit Problemen der „neuen Klassengesellschaft“. Christoph Butterwegge verdeutlichte, wie soziale Ungleichheit und Armut durch gezielte politische Strategien befördert wurden. Anhand eines Ausschnitts aus ihrem Roman zeigte Annett Gröschner, wie aufschlussreich es sein kann, mit literarischen Mitteln die subjektive Perspektive einzunehmen und nachzuvollziehen, wie eine konkrete Person die Herausforderungen des Alltags bewältigt.

Stefanie Hürtgen analysierte die Verschränkung von Geschlechter- und Klassenverhältnissen und stellte fest, dass Frauen am Arbeitsplatz noch immer durch sexualisierte Verhaltensweisen der Vorgesetzten und Kollegen gezielt abgewertet werden. Indem sie Geschlechterverhältnisse aus der Ich-Perspektive schildert, kann Literatur nach Auffassung von Anke Stelling im Sinne einer „Politik der ersten Person“ die Trennung von Innen- und Außenperspektive aufheben und damit Beiträge zur Überwindung von Diskriminierung leisten.

Der Diskurs über Migration – so fasste Hannes Schammann die Ergebnisse seiner Forschungen zusammen – wird zunehmend unter Nutzengesichtspunkten geführt. Einwanderung, die der Wirtschaft nutzt, werde gefördert, vorgeblich unnütze Migrantinnen und Migranten weise man ab. Ingar Solty sprach denn auch in seinem Überblick über die Migrationsliteratur davon, dass im herrschenden Diskurs immer schon „gefährliche Klassen“ ausgemacht wurden, die man aus den Unternehmen heraushalten wollte.

In der Auseinandersetzung mit der neuen Rechten plädierte Richard Gebhardt dafür, deren kulturelle Mobilisierung gegen die liberale Demokratie ernst zu nehmen, die Rechte wehre sich vehement gegen die erlittenen Niederlagen nach 1945. Thomas Wagner zeigte anhand von Interviews, die er mit einigen Protagonisten der neuen Rechten geführt hat, dass deren Sichtweisen das dumpf-völkische Ressentiment längst überschreiten und sich auf europaweite Vernetzungen erstrecken. Michael Wildenhain schließlich machte anhand einer Charakter-Studie über einen ehemaligen Antifa-Kämpfer deutlich, wie schwierig es sein kann, eine Identität im bürgerlichen Leben zu finden, ohne sich vollständig anzupassen.

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Foto: Karl Heinz Gajewski 

Abgerundet wurde die Tagung am Freitagabend durch Lesungen von Joachim Helfer, Erasmus Schöfer, Michael Wildenhain, Annett Gröschner, Anke Stelling und Norbert Niemann.

Insgesamt ist es der Tagung gelungen herauszuarbeiten, wie komplex und schwierig es ist, in der Klassengesellschaft Literatur zu schreiben, welche die herrschenden Zustände kritisiert und doch ihren Weg in den Buchhandel findet. Aber es gibt sie, die emanzipatorische Literatur. Sie liegt zwar nicht auf den Grabbeltischen der Buchhandelsketten, aber wer sich für sie interessiert, wird sie finden.

Ansprechpartner: Klaus Kock

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After Work ist vor der Arbeit

(KK) Im Rahmen eines „After-Work-Gesprächs“ diskutierten Edelgard Kutzner und Klaus Kock am 24. Mai in Mainz mit 30 Kolleginnen und Kollegen aus Betriebs- und Personalräten sowie aus dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement über Fragen des Betriebsklimas. Die After-Work-Gespräche sind gemeinsame Veranstaltungen des Deutschen Gewerkschaftsbunds im Bezirk Rheinland-Pfalz/Saarland, des Referates Berufs- und Arbeitswelt im Bistum Mainz und dem Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Nach dem Vortrag entspann sich eine lebhafte Diskussion über Kollegialität, Kommunikation am Arbeitsplatz und gegenseitige Wertschätzung. Die zentrale These der Vortragenden, gutes Betriebsklima beruhe auf gegenseitigem Geben und Nehmen, wurde von allen geteilt. Kollegiales Verhalten heißt, nicht nur auf die Leistung zu achten, sondern auch ganz Alltägliches wie Informationen, Hilfestellungen, Zeichen und Gesten auszutauschen. Niemand kann ohne die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen erfolgreich sein. Voraussetzung dazu ist, dass die Kommunikation untereinander funktioniert.

Besonders intensiv wurde über das Thema „Wertschätzung“ debattiert. Jemanden wertzuschätzen heißt, seine bzw. ihre Arbeit als wichtigen Beitrag zum Gesamtergebnis anzuerkennen. Herrmann Schäfer, Mitarbeiter bei der Technologieberatungsstelle Rheinland-Pfalz, warnte in seinem Vortrag vor einer Entleerung des Begriffs „Wertschätzung“. Wenn davon in Unternehmensleitlinien die Rede sei, reiche dies noch lange nicht aus. Es müsse auch erkennbar sein, wie diese Wertschätzung konkret aussehen soll. Wertschätzung müsse in einen Maßnahmenkatalog münden.

Ansprechpartner: Klaus Kock

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Arbeitsverhältnisse: atypisch oder normal?

(KB) Seit der Agenda 2010 und der Einführung der Hartz-Gesetze wird in Abgrenzung zum Normalarbeitsverhältnis intensiv über atypische Beschäftigung diskutiert. Spätestens seit die IG Metall in ihrem Tarifabschluss ab 1. April 2018 einen Anspruch auf Reduzierung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden für bis zu 24 Monate und damit ein verbindliches Recht auf Flexibilisierung bei der Arbeitszeitgestaltung durch Arbeitnehmer*innen durchgesetzt hat, stellt sich die Frage, wie normal eigentlich ein Normalarbeitsverhältnis noch ist.

Dies mag für die Arbeitspraxis eine naheliegende Frage sein. Für die soziale Bewertung eines Arbeitsverhältnisses bleibt das Normalarbeitsverhältnis weiterhin eine Norm, der Bezugspunkt für den sozialen und ökonomischen Gegenwert geleisteter Arbeit.

Das wird in der Diskussion um (zum Teil nicht mehr ganz so) neue Formen von Arbeit deutlich. Beispielsweise bei der Auslagerung von Tätigkeiten aus den Kernbereichen der Unternehmen durch Leiharbeit und Werkverträge oder bei der Flexibilisierung durch Teilzeitarbeit, Befristungen und Minijobs. Diese Formen der Beschäftigung beinhalten nach wie vor ein hohes Maß an sozialen und finanziellen Risiken. Angesichts sinkender Arbeitslosenzahlen, einer steigenden Nachfrage der Unternehmen nach qualifizierten Fachkräften und der aktuellen Digitalisierungsdebatte scheint die Diskussion um atypische Beschäftigung an Relevanz verloren zu haben.

Zu Unrecht, denn im Schatten dieser Entwicklungen hat sich der Aufbau von Beschäftigungsformen mit hohem Prekarisierungspotenzial fortgesetzt. In Dortmund ist der Anteil der „Normalarbeitsverhältnisse“ (unbefristete sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen) von 71% im Jahr 2000 auf 56% im Jahr 2016 gesunken. Nach wie vor steigt die Zahl atypischer Beschäftigungsformen (Minijob-Nebentätigkeiten, svpfl. Teilzeit) oder verharrt auf hohem Niveau (Befristungen, Leiharbeit, ausschließlich geringfügig Beschäftigte). Im Jahr 2016 waren 122 Tsd. von 278 Tsd. Arbeitsnehmer*innen (ohne Beamte) in Dortmund atypisch beschäftigt. Eine Folge davon ist zum Beispiel ein Anstieg von Mehrfachbeschäftigungen, weil das Einkommen aus einer Tätigkeit nicht reicht, den Lebensunterhalt zu sichern. Auch höherqualifizierte Beschäftigte bleiben von dieser Tendenz nicht verschont. Viele Beschäftigte im Bereich der Schulsozialarbeit beispielsweise arbeiten Teilzeit mit befristeten Verträgen. Hier betätigt sich sogar der Staat selbst durch eine defizitäre Budgetierung an der Förderung prekärer Beschäftigung.

Die Kooperationsstelle versucht, die verschiedenen Fassetten atypischer Beschäftigung auszuleuchten. Neben der Auswertung amtlicher Beschäftigungsstatistiken soll das Thema im Rahmen einer Veranstaltung mit dem DGB Dortmund-Hellweg noch in diesem Jahr mit Blick auf eine zukünftige Perspektive der Beschäftigung behandelt werden.

Ansprechpartner: Klaus Boeckmann

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Start des CSR-Kompetenzzentrums Ruhr

(KB) 120 Personen nahmen am 10. April an der Auftaktveranstaltung des CSR-Kompetenzzentrums Ruhr im Dortmunder Rathaus teil. Das CSR-Kompetenzzentrum Ruhr ist ein auf drei Jahre befristetes Projekt, das darauf ausgerichtet ist, durch Beratungs- und Qualifizierungsangebote gesellschaftliche Verantwortung in kleinen und mittleren Unternehmen der Region strategisch und organisatorisch zu verankern. Projektträger ist UPJ e.V. mit Sitz in Berlin.

Neben der Vorstellung der regionalen Projektpartner (die Städte Dortmund und Mülheim, sowie der Ennepe-Ruhr-Kreis) und einem Beitrag von Prof. Dr. Jürgen Howaldt zum Thema „CSR und Innovation“ wurden einige Praxisbeispiele zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen der Region präsentiert. In den abschließenden Statements von Ralf Stoffels (Präsident der Südwestfälischen IHK), Prälat Dr. Peter Klasvogt (Sozialinstitut Kommende Dortmund) und Klaus Boeckmann (Kooperationsstelle) wurde gesellschaftliche Unternehmensverantwortung aus jeweils unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Dabei standen bei Ralf Stoffels und Peter Klasvogt ökonomische Notwendigkeiten und christliche Werte im Vordergrund. Klaus Boeckmann betrachtete die Thematik aus dem Blickwinkel der Beschäftigten und verwies auf den Stellenwert der betrieblichen Mitbestimmung in Deutschland. Eine Beteiligung der Mitarbeiter erfordere die Entwicklung einer betrieblichen CSR-Strategie und die Verankerung sozialer und ökologischer Verantwortung in der Unternehmensorganisation.

Parallel zu den Aktivitäten des Kompetenzzentrums wird das CSR-Netzwerk Dortmund weiterhin eigene Aktivitäten durchführen. Das Zusammenwirken von CSR-Kompetenzzentrum und –Netzwerk ist noch ungeklärt. Wünschenswert wäre es, wenn das CSR-Kompetenzzentrum Ruhr über Beratungs- und Qualifizierungstätigkeiten hinaus professionelle Unterstützung für das CSR-Netzwerk leisten würde, um die Prozess- und Netzwerkorganisation längerfristig abzusichern.

Um gesellschaftliche Unternehmensverantwortung als Thema dauerhaft in der Region zu verankern und dies beispielsweise als Standortvorteil herauszustellen, wäre es notwendig, eine längerfristige Perspektive zu entwickeln, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch fehlt.

Die Kooperationsstelle kann insbesondere in Bezug auf Beschäftigungsfragen dabei professionelle Unterstützung leisten.

Ansprechpartner: Klaus Boeckmann

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Mensch und Technik in der Logistik

(KK) Am 15. Mai gab es für Betriebsräte die Gelegenheit, sich im Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik modernste Technik(u.a. fahrerlose Transportsysteme, Datenbrillen, Drohnen) anzusehen, in „in Aktion“ zu erleben und teilweise selbst auszuprobieren. Der Workshop wurde veranstaltet vom Forschungsprojekt „Innovationslabor Hybride Dienstleistungen in der Logistik“ in Zusammenarbeit mit der Kooperationsstelle.

Mensch und Technik

Auf anschauliche Weise konnten einige Fragen zur Reichweite und zu möglichen Konsequenzen der Technologieentwicklung (z.B. Beteiligung, Substitution, Ergonomie, Datenschutz, Handlungsspielräume) beantwortet werden. Im zweiten Teil des Workshops gab es Gelegenheit zur Diskussion zwischen Betriebsräten, Arbeitswissenschaftler*innen und Ingenieur*innen über Gestaltungsoptionen und -anforderungen an Technikentwicklung und Arbeitsorganisation.

Ansprechpartner: Klaus Kock

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Wissenschaftstheorie für Promovierende

(KK) Findet Wissenschaft die Wahrheit heraus? Oder nähert sie sich der Wahrheit immer nur an? Und was ist von der These zu halten, Wahrheit gebe es gar nicht, sie sei immer nur eine soziale Konstruktion? Über solche grundlegenden Fragen der Wissenschaftstheorie diskutierte Klaus Kock am 3. Mai mit Promovierenden der Universität Siegen aus den Fächern Mathematikdidaktik, Erziehungswissenschaft, Politikwissenschaft, Maschinenbau, Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaft. Veranstaltet wurde der Workshop vom „House of Young Talents“, dem Graduiertenzentrum der Universität Siegen.

Wer wissenschaftlich arbeitet, muss nicht nur den jeweiligen Gegenstand theoretisch erklären, sondern immer auch rechtfertigen, dass es sich dabei um mehr als bloße Meinung handelt. Theorie verlangt nach einer metatheoretischen Absicherung, nach einer Wissenschaftstheorie. Jede Dissertation basiert auf wissenschaftstheoretischen Annahmen und Überlegungen, auch und gerade dann, wenn diese nicht ausdrücklich benannt werden. Solche Annahmen haben gravierende Auswirkungen auf Forschungsdesign und Methode. Wer sich darüber nicht im Klaren ist, kann leicht die Orientierung verlieren.

Die im Workshop vermittelten Kenntnisse sollen die Promovierenden dabei unterstützen, wissenschaftstheoretische Voraussetzungen, Methoden und Ziele ihrer Dissertation zu reflektieren. Neben der Wissensvermittlung gab es ausreichend Gelegenheit, die Bedeutung wissenschaftstheoretischer Fragen für die Dissertationen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu diskutieren.

Ansprechpartner: Klaus Kock

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